Jedes Jahr versammelt sich die Welt zur Klimakonferenz. Staatschefs sprechen von Dringlichkeit. Unternehmen präsentieren Lösungen. NGOs warnen. Medien zählen die Formulierungen im Abschlusstext. Und danach steigen die Emissionen weiter.
Das Scheitern der COPs ist nicht nur ein Problem schlechter Diplomatie. Es ist das Symptom eines tieferen Widerspruchs: Man versucht, die Klimakrise innerhalb einer Wirtschaftsordnung zu lösen, die auf Wachstum, fossiler Infrastruktur, Konkurrenz und monetärer Expansion beruht.
Eine Verhandlung im Inneren der Wachstumsmaschine
Die COPs verhandeln Reduktion in einer Welt, die Expansion verlangt. Staaten fürchten Arbeitsplatzverluste, Wettbewerbsnachteile, Inflation, soziale Konflikte und Kapitalflucht. Unternehmen verteidigen Geschäftsmodelle. Finanzmärkte verlangen Rentabilität.
Unter diesen Bedingungen wird jede ambitionierte Maßnahme sofort durch die Frage gezähmt: Was kostet sie dem Wachstum? Klimapolitik wird nur akzeptabel, wenn sie das bestehende Modell nicht zu stark stört.
Lobbykratie
Die Anwesenheit fossiler Lobbyisten auf Klimagipfeln ist kein Randdetail. Sie zeigt, dass die Akteure, deren Geschäftsmodelle vom Problem abhängen, gleichzeitig an der Formulierung der Lösung beteiligt sind.
Lobbyismus funktioniert nicht nur durch offene Blockade. Er verschiebt Sprache, Prioritäten, Zeitpläne und technische Optionen. Er verwandelt Ausstieg in Übergang, Reduktion in Kompensation, Verzicht in Innovation und Machtfragen in Managementfragen.
Das Scheitern freiwilliger Verpflichtungen
Viele Klimazusagen sind freiwillig, langfristig, unvollständig oder abhängig von künftigen Technologien. Sie erzeugen politische Kommunikation, aber nicht immer reale Transformation.
Ein Versprechen für 2050 kann heutige Verzögerung legitimieren. Ein Netto-Null-Ziel kann tatsächliche Emissionssenkung durch Kompensation ersetzen. Eine nationale Zusage kann importierte Emissionen ausblenden.
Die Falle der Kohlenstoffbuchhaltung
Kohlenstoffbuchhaltung ist notwendig, aber sie kann die Realität verengen. Wenn alles auf Tonnen CO2 reduziert wird, geraten Biodiversität, Wasser, Böden, Extraktion, soziale Gerechtigkeit und Machtverhältnisse in den Hintergrund.
Die Klimakrise ist nicht nur ein Gasproblem. Sie ist eine Krise des industriellen Stoffwechsels, der Energieabhängigkeit, der Landnutzung, der Finanzlogik und der politischen Vorstellung von Wohlstand.
Warum das System nicht mit sich selbst verhandeln kann
Ein System kann schwer gegen seine eigenen Überlebensbedingungen verhandeln. Die heutige Weltwirtschaft braucht fossile Energie, globale Lieferketten, wachsende Steuereinnahmen, Schuldendienst und Kapitalrendite. Genau diese Logiken treiben die Krise.
Die COPs bitten daher eine Wachstumsordnung, sich selbst zu begrenzen, ohne ihre monetären und finanziellen Grundlagen zu verändern. Das ist, als würde man ein Feuer bitten, weniger Sauerstoff zu verbrauchen, ohne die Zufuhr zu schließen.
Der monetäre blinde Fleck der Klimadiplomatie
Klimaverhandlungen sprechen über Emissionen, Technologie, Fonds und Anpassung. Sie sprechen viel seltener über Geldschöpfung, Schulden, internationale Liquidität, Wechselkurse und die Finanzierung des Nicht-Rentablen.
Doch Länder müssen Schulden bedienen, Devisen verdienen und Wachstum sichern. Viele ökologische Maßnahmen erscheinen als Kosten, während fossile und extraktive Aktivitäten Einnahmen, Exporterlöse und Arbeitsplätze liefern.
Solange diese monetäre Struktur nicht verändert wird, bleibt Klimapolitik in einem Widerspruch gefangen.
Was eine ernsthafte COP diskutieren müsste
Eine ernsthafte Klimakonferenz müsste nicht nur über Emissionsziele sprechen. Sie müsste über Schuldenerlasse, regenerative Finanzierung, fossile Desinvestition, internationale Liquidität, Handelsregeln, Kapitalverkehr, Gemeingüter und ein neues Verständnis von Wohlstand sprechen.
Sie müsste fragen: Wer finanziert die Reparatur? Wer trägt die Kosten des Ausstiegs? Welche Tätigkeiten müssen schrumpfen? Welche müssen wachsen? Welche Geldarchitektur macht das möglich?
NEMO IMS und die fehlende monetäre Architektur
NEMO IMS bringt diese fehlende Ebene in die Debatte. Schuldenfreie Geldschöpfung kann regenerative Tätigkeiten finanzieren, ohne sie auf private Rendite zu reduzieren. Geldschmelze kann degenerative Transaktionen belasten. Ein internationaler Standard kann die Abhängigkeit von Reservewährungen verringern.
Das ersetzt keine Klimapolitik. Aber es gibt ihr eine monetäre Infrastruktur, die mit ihren Zielen vereinbar ist.
Schluss: jenseits des Rituals
Die COPs scheitern, weil sie innerhalb einer Ordnung verhandeln, die sie nicht in Frage stellen dürfen. Deshalb werden sie zu Ritualen der Dringlichkeit ohne strukturelle Macht.
Die Klimakrise verlangt nicht nur bessere Gipfel. Sie verlangt eine andere politische Ökonomie — und eine Geldordnung, die den Ausstieg aus der Zerstörung finanzierbar macht.
Jean-Christophe Duval